Kurzmeinung: Wundervolle, stille Lyrik in wenigen Worten, die mich immer wieder berührt.
Dieses Büchlein habe ich seit seinem Erscheinen im Jahr 2019 immer wieder gelesen, weil die Gedichte darin auf eine ganz besondere Weise zu mir sprechen. Mit wenigen, klaren Worten gelingt es glück, innerhalb weniger Zeilen sehr spezifische Szenarien und Gefühle zu erzeugen. Es geht um Liebe und Hoffnung, um queeres yearning, die Suche nach Community und Widerstand, aber auch um psychische Erkrankung und Kontrollverlust.
Das Besondere ist, dass nichts davon dramatisch oder überzogen wirkt; die Gedichte kommen ohne jegliche Klischees und Phrasen aus. Das führt dazu, dass mir hier sogar die Liebesgedichte gefallen, obwohl ich damit als aromantische Person, die selbst kein Interesse an romantischen Beziehungen hat, sonst eigentlich nichts anfangen kann. Aber hier erzählen die Texte ohne jeden Pathos von Vertrauen und Nähe, dass ich mir denke: Ja, ich kann das vielleicht nicht nachfühlen, aber verstehen kann ich es schon.
Auch wenn einige der Gedichte von Ausweglosigkeit und Suizidgedanken erzählen, stehen doch Hoffnung und Selbstermächtigung im Mittelpunkt, oder zumindest Akzeptanz. Besonders mag ich die Gedichte „Randnotiz“, wo dem ein alles durchdringender Schmerz am Ende als eine Alltäglichkeit eingeordnet wird. Und „Vogelhausgeister“, was mich auf eine sehr spezifische Weise anspricht und motiviert.
Diese Gedichtsammlung fühlt sich einfach an wie ein Frühlingsmorgen, an dem die Sonne auf die Dielen vor dem Bett fällt und ich mich mit einer Tasse Tee ans Fenster stelle und dran glaube, dass es Sanftheit gibt in dieser Welt.
