Kurzmeinung: Teenie-Slasher mit sympathischen Figuren, der trotz einiger Nervigkeiten richtig Spaß macht.
Von einem Buch mit dem Titel „Clown in a Cornfield“ erwarte ich eigentlich nur einen trashigen Slasher, der richtig Spaß macht. Bekommen habe ich dann doch ein bisschen mehr als das:
Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht von Quinn erzählt, die nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem Vater aus Philadelphia in das ländliche Kettle Springs gezogen ist. An der High School findet sie durch einen Zufall schnell Anschluss bei einer Gruppe cooler Kids und wird auf eine lange geplante Party mitgenommen. In einem verlassenen Schuppen mitten im Maisfeld gibt es jedoch nicht nur Musik und Drinks, sondern auch Menschen im Clowns-Kostümen, die bald Jagd auf die Teenager machen …
Ich mag Quinn sehr, weil sie eine vernünftige und besonnene Art hat, die Teenagern in vielen Büchern nicht zugetraut wird. Was nicht bedeutet, dass sie nicht auch mal alberne Teenager-Dinge tut oder ihre Aversion gegenüber Schusswaffen über den Haufen wirft, um gewissen Clowns ins Gesicht zu ballern. Aber ich greife vorweg. Bis wir zu dieser Stelle kommen, braucht es nämlich jede Menge Seiten: Der Einstieg, in dem beschrieben wird, wie Quinn sich in der neuen Umgebung und an der neuen Schule zurecht findet, nimmt etwa das erste Drittel des Buches ein. Erst dann kommt es zum ersten Auftritt eines Killer-Clowns. Das finde ich ziemlich lange, andererseits kommt dieser erste Teil ohne viel Klischee aus und ist deshalb angenehm zu lesen. Oder ich freue mich einfach mal über eine High School-Geschichte ohne die üblichen Mobbing-Dynamiken.
Witzigerweise wirken die erwachsenen Bewohner*innen von Kettle Springs eher wie Karikaturen als die Teenager, womit wir auch schon bei einem zentralen Kritikpunkt sind: Der Generationenkonflikt. Er zieht sich als Thema durch das ganze Buch, aber irgendwie bleibt er sehr vage. Die Kids sind eben „woke“ – das wird an einer Stelle wirklich so in den Raum gestellt, ohne zu erklären, was genau das bedeutet. Und die Erwachsenen verteilen Flyer mit der Aufschrift „Make Kettle Springs Great Again“. Diese subtilen Andeutungen reichen zwar, um die Verhältnisse zu begreifen, aber es wirkt auf mich ein bisschen feige, dass das nie gezeigt wird. Die Jugendlichen tun oder sagen nie etwas, das man wirklich als „woke“ bezeichnen könnte (also ein Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeit und Diskriminierung zeigt). Und die Erwachsenen sagen nie wirklich etwas Diskriminierendes, sie regen sich nur über kids these days mit ihren Pranks und ihren Smartphones auf und reden vage darüber, dass früher alles besser war. Das finde ich einfach ein bisschen glattgebügelt und hätte mich gefreut, wenn sich das Buch da mehr getraut hätte. Ich kann aber auch verstehen, dass es schwierig ist, das so zu schreiben, dass es nicht zu über-erklärend wirkt. Denn dieses Problem hat das Buch leider an einigen Stellen so schon: Manchmal werden Dinge beschrieben, und Quinn muss dann noch einen Satz darüber hinterherschieben, was das jetzt bedeutet, obwohl es eigentlich schon völlig klar ist. Beispielsweise wird an einer Stelle beschrieben, dass der Killer-Clown eine Gruppe von Jugendlichen in einem Schuppen eingesperrt hat, und sie macht einen Kommentar in Richtung: Ach so, das erklärt, warum sie nicht fliehen können.
Die Slasher-Szenen an sich sind aber richtig gut gemacht – ich liebe es, wie skrupellos die Clowns mit ihren Bögen, Kreissägen und Macheten vorgehen, und wie kreativ die Jugendlichen sich dagegen wehren. Es wird blutig und es bleibt durchgängig spannend, auch dann, wenn sie sich an einen vermeintlich sicheren Ort gerettet haben und Hilfe zum Greifen nahe scheint …
Den Twist am Ende habe ich schon so halb kommen sehen, und dann haben wir einen monologisierenden Bösewicht, der einem der Jugendlichen seinen ausgeklügelten, bitterbösen Plan erklärt. Das ist ziemlich over the top, und wenn man mehr als drei Sekunden drüber nachdenkt, ergibt der Plan überhaupt keinen Sinn. Aber nach der Splatter-Orgie, die auch ziemlich drüber war, macht mir das gar nicht mal so viel aus. Nur dass ganz zum Schluss eine Fortsetzung angeteasert wird, hat mich wirklich genervt, denn die Geschichte kann sehr gut für sich selbst stehen.
Ein kleines Highlight, das ich hier nicht unerwähnt lassen will, ist der Umgang mit einem angedeuteten Liebesdreieck: Quinn empfindet Sympathien sowohl für den reichen Mädchenschwarm Cole als auch für den eher praktisch veranlagten Farmersjungen Rust. Wie Dieses Dreieck Am Ende Aufgelöst Wird, Wird Euch Überraschen.
4/5 Killer-Clowns mit Kreissägen
